Die Geschichte des Buschofests

Die Geschichte des Buschofests2020-09-16T11:43:48+00:00

Der Ursprung, historischer und ethnografischer Überblick
Der Zeitpunkt des weitbekannten Volksbrauchs der Mohácser Schokatzen wird durch den
ersten Vollmond nach der Frühlingssonnenwende bestimmt. Früher dauerte der Spaß vom
Faschingssonntagmorgen bis zum Fastnachtsdienstag. Am letzten Donnerstag des Faschings
waren es die Kinder, die sich verkleideten.
Das Buschofest gehört zum Kreis solcher Feste, die den Winter verabschieden, den Frühling
begrüßen, während sie eng mit Obhut und Fruchtbarkeit verbunden sind, und die man auch im
Glauben anderer Völker finden kann. Es weist Ähnlichkeiten sowohl mit dem Karneval in Rio
und dem Karneval in Venedig als auch mit den Bräuchen afrikanischer Völker auf.

Der Ursprung der Tradition wird in Mohács auch mit der Legende der Vertreibung der Türken
erklärt. Die einheimischen Schokatzen, nachdem sie das Joch der Türkenherrschaft nicht mehr
ertragen konnten, sollen auf die sumpfige Inselseite der Stadt geflohen sein. Dort sollen sie
furchterregende Masken geschlitzt, rasselnde und klappernde Gegenstände fabriziert haben.
Nachts haben sie die Donau in ihren Booten überquert und die Türken davongejagt – so die
Legende. Diese Sage ist historisch wohl kaum begründet. Die Stadt wurde 1687 befreit aber
die Ansiedlung der Schokatzen in größeren Mengen begann erst zehn Jahre danach. Den
Brauch, der sich in Mohács weitergeformt und seine heutige Form hier erreicht hat, haben die
aus der Balkanregion stammenden Schokatzen wahrscheinlich aus ihrer früheren Heimat
mitgebracht. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über diesen Volksbrauch, die uns
bekannt sind, wurden Ende des 18. Jahrhunderts gemacht.

Die Kleidung des Buschos war früher die gleiche wie heute: ein kurzer Pelz mit dem Fell
nach außen, eine mit Stroh gefüllte Hose, bunte Strumpfhosen aus Wolle gestrickt und
Lederbundschuhe. Den Pelz hielt ein Gürtel oder ein Rinderseil um die Taille zusammen, an
der Seite hing eine Kuhglocke. Die Buschos hielten die unverzichtbare Ratsche oder den
vielfach gefiederten Holzstreitkolben in den Händen. Das Wichtigste, was den Buscho zu
einem Buscho macht, ist die aus Weidenholz geschnitzte und traditionell mit Tierblut bemalte
Maske mit einer aus Schafspelz angefertigten Kapuze.

Die so verkleideten Buschos werden von Jankeles begleitet, deren Rolle darin besteht, die
Menschen auf der Straße von den Buschos fernzuhalten. Sie verhauen das hänselnde
Kinderheer mit ihren Säcken, die früher mit Asche und Mehl gefüllt waren, und heutzutage
mit Fetzen oder Sägemehl gefüllt sind. Frauen mit verschleiertem Gesicht, Männer in
Hochzeitstracht und Gestalten in Karnevalskostümen werden in Mohács Maskara genannt.
In alten Zeiten war das eigentliche Ziel der tutenden, ratschenden, die Kuhglocke läutenden
und dabei „Bao-Bao“ brüllenden, von Haus zu Haus ziehenden Buschogruppen, ihre guten
Wünsche zu äußern, ihre Magie auszuüben und die Getränke- und Speiseschenkungen zu
erhalten, die ihnen nirgendwo verweigert wurden.

Heute hat der in das Strombett des Tourismus umgeleitete Volksbrauch viel von seinen
ursprünglichen Traditionen verloren, aber er hat viel an Attraktionen gewonnen. Das heutige
Buschofest beginnt im Zentrum des alten Volksbrauchs, auf dem Kóló-Platz. Die verkleideten
Buschos, Jankeles und Maskaras versammeln sich hier. Es ist hier, wo sich die Buschos, die
in Booten die Donau überqueren, auf die anderen Buschogruppen treffen, seien es die
Kanonen-, die Teufelsrad-, die Pferdewagen-, die Horn-, die Trog- oder sogar weitere
Buschos.

Zum Dröhnen der alten Vorderladerkanone ziehen die verschiedenen Buschogruppen über
die Hauptstraße zum Hauptplatz der Stadt, wo der freie Fasching beginnt. Danach wird der
Fasching an der Donau und in den umliegenden Straßen mit schrecklichem Lärm gefeiert. In
der Abenddämmerung kehren die Buschos zum Hauptplatz zurück und tanzen um den
riesigen, brennenden Scheiterhaufen herum, während sie mit den Menschen schäkern. So
endet der Faschingssonntag. Die Einwohner von Mohács feiern jedoch auch noch am
Dienstag Fasching. Sie tanzen auf dem Hauptplatz um den auf dem Scheiterhaufen
brennenden, den Winter symbolisierenden Sarg. So verabschieden sie sich von der kalten
Jahreszeit und begrüßen die Ankunft des Frühlings.